Laudamotion und Ryanair

Lauda gegen Lufthansa

Den großen Auftritt überlässt Ryanair-Boss Michael O'Leary seinem künftigen Kompagnon. Dienstag, Flughafen Düsseldorf. Niki Lauda grinst breit in die Kameras, die ihn umringen. "Ich bin nicht hier hergekommen, um abzutreten, sondern um richtig anzufangen", triumphiert der Ex-Rennfahrer und Mal-Wieder-Airline-Chef.

Jetzt ist er alle Sorgen los. Anders als befürchtet, werden Laudas neuer Airline Laudamotion weder die Flugzeuge fehlen noch das Geld vorzeitig ausgehen. Und er selbst macht Kasse, ehe der Betrieb überhaupt startet. Für all das sorgt der neue, mächtige Teilhaber Ryanair.

Michael O'Leary hat entschieden. Europas größter Billigflieger steigt mit zunächst 25 Prozent bei Laudamotion ein. Wenn die EU-Wettbewerbsbehörden nichts dagegen haben, sollen es sogar 75 Prozent werden. Der gesamte Kaufpreis liegt Ryanair zufolge bei weniger als 50 Millionen Euro, die gleiche Summe schießt das Unternehmen für Geschäftsaufbau und Betriebskosten zu. Zudem will Ryanair für den Flugbetrieb von Laudamotion zunächst sechs Flugzeuge bereitstellen. Das alles für eine neue Linie, die aus den Trümmern von Air Berlin hervorgegangen ist - und noch nicht mal ihren ersten kommerziellen Linienflug absolviert hat. Lauda selbst hatte für die gesamten Überreste bloß 47 Millionen Euro gezahlt.

Aber Laudamotion hat einige begehrte Start- und Landerechte der deutschen Pleitegesellschaft übernommen: in Düsseldorf, Berlin-Tegel, Wien oder Zürich. Und auf genau diese "Slots" hatte es Ryanair-Chef O'Leary schon lange abgesehen. Darum verbündet er sich jetzt mit Lauda.

Schachzug gegen Lufthansa

"Dieser Deal verschafft Ryanair durch die Hintertür viele Start- und Landerechte in Deutschland und Österreich, die sie im Herbst nicht bekommen haben", sagt Gerald Wissel, Chef des Hamburger Beratungshauses Airborne Consulting. Damals, im Zuge der Air-Berlin-Insolvenz, nannte O'Leary die Verteilung der Überreste ein "abgekartetes Spiel". Er bezichtigte die Bundesregierung der Einflussnahme zugunsten der Lufthansa und gab am Ende nicht einmal ein Angebot ab.

Jetzt kriegt er die Slots doch. Zum Teil zumindest. Und er wischt dem Rivalen eins aus. "Die Übernahme von Laudamotion richtet sich gegen die Lufthansa", sagt Wissel. "Sie bremst das Wachstum von Eurowings, denn die wollten Laudamotion als Plattform." Erst vergangenen Donnerstag hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr angedeutet, dass die Konzerntochter Eurowings Flugzeuge von Laudamotion mitsamt Crews anmieten könne. Denn die eigenen Kapazitäten sind knapp.

Daraus wird nun wohl nichts. "Es geht O'Leary offensichtlich darum, im Hinterhof der Lufthansa Unruhe zu stiften und den Zugriff auf bestimmte Kapazitäten zu blockieren", sagt der Hamburger Luftfahrtexperte Heinrich Großbongardt. Für Ryanair selbst sei dieses Vorgehen allerdings riskant. Denn Laudamotion passe nicht zum seit Jahren bewährten Geschäftsmodell der Iren.

"Ryanair ist so erfolgreich, weil alles darauf ausgerichtet ist, jeden Cent zu sparen", sagt Großbongardt. Ein besonderer Wettbewerbsvorteil etwa ist bisher die Einheitsflotte: ausschließlich Boeing-737-Maschinen. Entsprechend niedrig sind die Kosten für Wartung, Lagerhaltung und Pilotenausbildung. Zudem kann Ryanair als Großeinkäufer satte Rabatte heraushandeln. Laudamotion allerdings wird vor allem Airbus-A-320-Maschinen fliegen. Kaum vorstellbar, dass die Eingliederung so reibungslos läuft wie einst beim niederländischen Billigflieger Buzz, den Ryanair binnen weniger Monate einfach so schluckte. Zumal Niki Lauda ein ähnlich großes Ego hat wie Michael O'Leary.

Piloten wollen Ryanair die Stirn bieten

Auch beim Personal wird Laudamotion wohl nicht so knapsen können wie Ryanair. Die Praxis der Iren, Hunderte Piloten und Co-Piloten über Personaldienstleister als Freiberufler anzuheuern, anstatt sie einzustellen, gerät zunehmend unter Beschuss. Gerade in Deutschland. Hier ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Dienstleister wegen Scheinselbstständigkeit sowie Hinterziehung von Steuern und Sozialabgaben. Kein Zufall, dass Ryanair neuerdings deutschen Piloten vermehrt Festanstellungen anbietet.

"Wir hoffen nicht, dass Ryanair das fragwürdige Arbeitsmodell nun bei Laudamotion anwendet", sagt Jim Phillips, Vorstand für Internationales bei der Pilotenvereinigung Cockpit. "Aber wenn es doch geschieht, werden sie große Schwierigkeiten bekommen, überhaupt genug Piloten zu kriegen." Europas Pilotenvereinigungen haben am Wochenende eine gemeinsame Ryanair-Tarifkommission gegründet, um Kräfte zu bündeln, auch gegen das verhasste Modell.

Ob O'Leary mit dem Einstieg bei Laudamotion richtig lag, wird sich frühestens in ein bis zwei Jahren zeigen. Aber eins ist schon jetzt ist klar: Für die Passagiere wird sich der Deal auszahlen. Ryanairs Einstieg bedeutet mehr Wettbewerb am Himmel über Deutschland, Österreich und der Schweiz statt Alleinherrschaft der Lufthansa. Und um die Laudamotion-Jets vollzukriegen, müssen Lauda und O'Leary den Kunden erstmal viele billige Tickets anbieten.

(Autor: Claus Hecking, Artikel ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen)

2018
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