Verschollene Boeing 777

Neue Suche nach MH370

Gerade einmal vier Jahre ist das Schiff alt, das jetzt "Seabed Constructor" heißt. Und es ist ziemlich beeindruckend: 115 Meter lang und 22 Meter breit, fast 8000 Tonnen schwer, gekrönt von einem markanten Helideck am Bug. Auf der anderen Seite der Brücke thront ein mächtiger 250-Tonnen-Kran über einem 1300 Quadratmeter großen Außendeck.

Die "Seabed Constructor" bietet Platz für gut 100 Menschen - und mehrere Unterwasserroboter. Der Eigentümer, das Unternehmen Swire Seabed aus dem norwegischen Bergen, vermietet seine Schiffe vor allem an Öl- und Gasfirmen. Aber auch Schatzsucher, die 110 Tonnen Silber aus einem Schiffswrack im Atlantik holten, zählten zu den Kunden.

Es ist eine Branche, die ohnehin viel Verschwiegenheit erfordert. Doch wenn man Firmenchef Arvid Pettersen dieser Tage anruft, dann wird er besonders schmallippig. Nein, zum aktuellen Einsatz der "Seabed Constructor" könne er auf keinen Fall etwas sagen. Da möge man sich bitte an die US-Firma Ocean Infinity wenden.

Doch da geht gerade niemand ans Telefon. Das Unternehmen hat das Schiff nämlich für eine ganz besondere Mission gechartert. Es geht darum, das wohl größte Rätsel der zivilen Luftfahrt zu klären: Am 8. März 2014 verschwand die Boeing 777 des Malaysia-Airlines-Fluges MH370 von Kuala Lumpur nach Peking. Was den 239 Menschen an Bord des vermissten Jets zugestoßen ist, weiß bis heute niemand.

Es war ungefähr dieselbe Zeit, als die "Seabed Constructor", damals noch als "Olympic Athene", zu ihrer ersten Fahrt auslief. Und mit ihrer Hilfe will Ocean Infinity nun doch noch das Schicksal des Flugzeugs und der Menschen an Bord klären. Gerade ist das Schiff dafür unterwegs vom südafrikanischen Durban ins Seegebiet vor der australischen Westküste. (Hier können Sie in etwa sehen, wo sich das Schiff gerade befindet.)

"Nicht zuviel Hoffnung machen"

Nach dem Verschwinden von MH370 hatte es eine offizielle Suchaktion im Auftrag der Länder Australien, China und Malaysia gegeben. Vor allem das niederländische Geoforschungsunternehmen Fugro hatte mit Spezialschiffen den Meeresboden abgesucht. Doch trotz Gesamtkosten von rund 160 Millionen Dollar brachte die Fahndung kein Ergebnis - und wurde vor rund einem Jahr eingestellt, nach genau 1046 Tagen.

Ocean Infinity hatte schon vor Monaten angeboten, die Suche zunächst auf eigene Kosten wiederaufzunehmen. Die Firma wird nur im Erfolgsfall bezahlt. Nach australischen Medienberichten aus dem Herbst geht es um eine Prämie zwischen 20 und 70 Millionen US-Dollar, wenn das Wrack innerhalb von 90 Tagen nach Start der neuen Suche gefunden wird.

Die Regierung von Malaysia hatte monatelang über den Vorschlag nachgedacht - und sich nun dafür entschieden. Das erklärte Transportminister Liow Tiong Lai am Samstag. Er wolle den Hinterbliebenen aber "nicht zuviel Hoffnung machen".

Suche weiter nördlich

Der britische "Economist" hatte als erster über den neuen Sucheinsatz berichtet. Das zu durchkämmende Gebiet soll demnach deutlich kleiner ausfallen als zuvor. Statt 120.000 Quadratkilometer - eine Fläche so groß wie Österreich und die Schweiz zusammen - will Ocean Infinity nun deutlich weniger unter die Lupe nehmen.

Diesmal geht es um eine Fläche von rund 25.000 Quadratkilometern. Das ist etwas größer als Hessen und etwas kleiner als Brandenburg. Das Areal soll sich etwas nördlich der bisher untersuchten Bereiche befinden. Zuvor hatten unabhängige Forscher bereits zugeraten, weiter im Norden zu suchen. Auch der vorläufige Abschlussbericht der australischen Transportsicherheitsbehörde aus dem vergangenen Oktober lässt sich so interpretieren.

Zunächst, so heißt es im "Economist" solle nun in der Gegend um 35 Grad südlicher Breite gesucht werden. Finde sich dort nichts, soll es weiter nach Norden gehen, bis auf 30 Grad südlicher Breite. Allerdings gibt es auch wissenschaftliche Modelle, die eine Suche bis 25 Grad südlicher Breite interessant erscheinen ließen.

Die Modelle stützen sich auf den Weg übers Meer, den schwimmende Trümmer der Boeing nach einem Crash genommen haben dürften. Von dem vermissten Flugzeug sind - teils lange nach dem Absturz - mehrere Wrackteile gefunden worden, unter anderem auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion, auf Madagaskar und an der Küste von Mosambik.

Mit Daten zu Wetter und Ozeanströmungen hatten mehrere Forscherteams daraus den ungefähren Ursprungsort zurückgerechnet - und waren dabei auf Bereiche im Norden der bisher gescannten Flächen gekommen.

Acht autonome Unterwasserroboter

Für die Fahndung dort setzt Ocean Infinity nun auf acht jeweils 1800 Kilogramm schwere Unterwasserroboter. Sie heißen "Hugin", wurden vom norwegischen Unternehmen Kongsberg gebaut und können selbstständig bis zu 6000 Meter tief tauchen.

Bis zu 48 Stunden können die sechs Meter langen "Hugins" eigenständig Sonardaten sammeln. Dann kehren sie zum Schiff zurück, zum Herunterladen der jeweils bis zu 2-Terabyte an Messwerten und dem Austausch des Lithium-Polymer-Akkupacks.

Das für die erste Suche eingesetzte Schiff "MV Fugro Equator" hatte die Sonarsensoren bei der Suche an kilometerlangen Kabeln hinter sich hergeschleppt. Ein autonomer Roboter war zwar auch im Einsatz, der konnte aber nur bis 4000 Meter tief tauchen. Nichtsdestotrotz waren Experten zu der Einschätzung gekommen: Hätte sich das Wrack von MH370 in dem untersuchten Gebiet befunden, wäre es auch aufgespürt worden.

Nur soll also nördlicher gesucht werden. Ocean Infinity hofft, so zitiert der "Economist" den technischen Direktor Josh Broussard, mit den Robotern im Paralleleinsatz bis zu 1200 Quadratkilometer Ozeanboden pro Tag zu scannen.

Ob so ein Wert tatsächlich auch nur ansatzweise erreicht wird, muss die Praxis zeigen. Der südliche indische Ozean ist für sein schlechtes Wetter bekannt, wenngleich die Bedingungen in der Region im Januar und Februar zumindest noch am besten sein sollten.

An Bord der "Seabed Constructor" sollen jeweils drei Experten die Messdaten der Unterwasserroboter auswerten. Bei vielversprechenden Signalen legen sie Areale fest, die ein zweites Mal vom "Hugin" besucht werden sollen.

Spürt der Roboter dann tatsächlich Teile der verunglückten Boeing 777 auf, muss neu verhandelt werden. Für eine Bergung von Trümmern gilt der aktuelle Auftrag der malaysischen Regierung an Ocean Infinity nämlich nicht.

Dieser Text ist zuerst bei SPIEGEL ONLINE erschienen.

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