Das Raketen-Wettrüsten der Milliardäre

Grüß mir die Sterne!

Cape Ca­na­veral, Flo­ri­da: Von Start­ram­pe 39A aus ho­ben einst die „Apol­lo“-Mis­sio­nen zum Mond ab. Hier star­te­te das Space Shut­tle Dut­zen­de Male in ei­nem Meer aus Feu­er, Rauch und Dampf; al­les vor­bei.

Seit 2011, als das letz­te Shut­tle ab­hob, ha­ben die USA kein Ra­ke­ten­sys­tem mehr, das stark ge­nug wäre, Men­schen ins All zu schie­ßen. Die flü­gel­lah­me Nasa gab das le­gen­dä­re Start­ge­län­de auf – und ver­pach­te­te es an ein no­to­ri­sches Groß­maul, das ge­lobt hat, die US-Raum­fahrt ei­gen­hän­dig zu re­vo­lu­tio­nie­ren.

Ge­nau das scheint ihm jetzt tat­säch­lich zu ge­lin­gen. Elon Musk, 46, will, ganz im Sin­ne des US-Prä­si­den­ten, Ame­ri­ka wie­der groß ma­chen.

Musk, gleich­zei­tig Chef des Elek­tro­au­to­her­stel­lers Tes­la und der Raum­fahrt­fir­ma SpaceX, hat vor, die his­to­ri­sche Stät­te An­fang Ja­nu­ar zu neu­em Glanz zu füh­ren; das ge­naue Da­tum ist noch ge­heim. Von eben­je­ner be­rühm­ten Start­ram­pe 39A aus soll „Fal­con Hea­vy“ ins All ra­sen, die jüngs­te Schöp­fung von SpaceX und die der­zeit mit Ab­stand stärks­te Trä­ger­ra­ke­te der Welt.

27 hoch­kom­ple­xe Ra­ke­ten­t­rieb­wer­ke hei­zen dem drei­rümp­fi­gen, 70 Me­ter ho­hen Mons­trum ein. Sie sol­len so viel Schub ent­wi­ckeln wie 19 Jum­bo­jets un­ter Voll­gas. Mehr Wumms hat­te bei den Ame­ri­ka­nern nur die Mond­flug­ra­ke­te „Sa­turn V“, al­ler­dings ist sie schon seit 1973 au­ßer Dienst.

SO FUNK­TIO­NIERT DIE STÄRKS­TE RA­KE­TE

VI­DEO (2:14) Se­hen Sie im Vi­deo, wie Elon Musk Men­schen ins All, zum Mond und zum Mars brin­gen will – und wel­che Rück­schlä­ge sei­ne Fir­ma Space X er­lei­den muss­te. 

Mit viel­fa­cher Schall­ge­schwin­dig­keit kann „Fal­con Hea­vy“ eine Nutz­last von bis zu 64 Ton­nen in eine erd­na­he Um­lauf­bahn brin­gen. Das ist weit­aus mehr, als eine Boe­ing 737 über­haupt fas­sen kann. Mit we­ni­ger Fracht schafft die Ra­ke­te es auch zum Mond und so­gar zum Mars und dar­über hin­aus.

Musks Wun­der­ma­schi­ne mar­kiert den Be­ginn ei­ner neu­en Ära für die US-Raum­fahrt. Bil­li­ger, ehr­gei­zi­ger und ex­tra­va­gan­ter wird sie sein. Pri­va­te Fir­men, man­che im Be­sitz ex­pe­ri­men­tier­freu­di­ger Mil­li­ar­dä­re, wer­den ne­ben staat­li­chen Stel­len zu wich­ti­gen Ak­teu­ren, und sie wol­len ne­ben se­riö­ser Ar­beit auch wun­der­li­che Din­ge tun: Mit „Fal­con Hea­vy“ pla­nen mil­lio­nen­schwe­re Welt­raum­tou­ris­ten be­reits ei­nen Trip rund um den Mond.

„Fal­con Hea­vy“ ist eine ver­bes­ser­te Va­ri­an­te ei­nes be­reits er­prob­ten Raum­fahr­zeugs. Im Kern be­steht es aus sei­nem Vor­gän­ger­mo­dell „Fal­con 9“, dem links und rechts zwei wei­te­re Ra­ke­ten­erst­stu­fen ("Boos­ter") ver­passt wur­den. „Fal­con 9“ ist seit 2010 im Ein­satz und hat sich trotz zwei­er To­tal­ver­lus­te den Ruf ver­dient, ein er­staun­lich kos­ten­güns­ti­ges und zu­ver­läs­si­ges Ar­beits­tier zu sein. Al­lein 2017 flog es 17-mal feh­ler­los.

„Fal­con 9“ be­herrscht mitt­ler­wei­le ein Kunst­stück, mit dem auch „Fal­con Hea­vy“ glän­zen soll. Wenn die Erst­stu­fe zwei bis drei Mi­nu­ten nach dem Start ab­ge­kop­pelt wird, ver­sinkt sie nicht als Schrott im At­lan­tik wie ehe­dem die der Vor­gän­ger. Viel­mehr kehrt die „Fal­con“-Erst­stu­fe auf ele­gan­te Wei­se zur Erde zu­rück.

Der Ap­pa­rat – Ra­ke­ten­mo­tor, Tank und Au­to­pi­lot – na­vi­giert selbst­stän­dig und prä­zi­se. Sei­ne Rech­ner re­geln au­to­nom, wie viel Schub das Trieb­werk im Wi­der­streit mit der Schwer­kraft zu leis­ten hat. Punkt­ge­nau und auf­recht setzt die Erst­stu­fe sanft am vor­ge­se­he­nen Lan­de­platz auf.

Im Fall von „Fal­con Hea­vy“ sol­len gleich drei Erst­stu­fen kurz hin­ter­ein­an­der das Sci­ence-Fic­tion-Lan­de­ma­nö­ver aus­füh­ren. Zwei da­von auf en­gem Raum rund um die Start­ram­pe 39A – und eine auf ei­nem Ro­bo­ter­schiff im At­lan­tik mit dem in­ter­es­san­ten Na­men „Of Cour­se I Still Love You“. Schö­ner geht Raum­fahrt nur in Hol­ly­wood.

Weil fast alle Bau­tei­le wie­der­ver­wen­det wer­den kön­nen, sin­ken die Prei­se für das „Fal­con“-Pro­gramm dras­tisch – auf ein Hun­derts­tel, wie Musk er­war­tet. Ein Trans­port, der ehe­dem vie­le Mil­li­ar­den ver­schlun­gen hät­te, ist künf­tig schon für ein paar Dut­zend Mil­lio­nen zu ha­ben. Die­ser Er­folg bei der Kos­ten­kon­trol­le dürf­te die US-Raum­fahrt stär­ker be­flü­geln als jede Di­rek­ti­ve von Prä­si­dent Do­nald Trump zur Fra­ge, ob Nasa-As­tro­nau­ten nun Mond oder Mars an­zu­steu­ern ha­ben.

Beim Erst­flug von „Fal­con Hea­vy“ wagt Musk noch kei­ne kom­mer­zi­el­le Fracht zu trans­por­tie­ren, denn das Ri­si­ko ei­ner Ex­plo­si­on beim Start ist ge­ge­ben. Dar­um hat der schrill-schrul­li­ge Mil­li­ar­där und PR-Fach­mann ent­schie­den, sei­ner Ra­ke­te eine be­son­de­re Test­last mit­zu­ge­ben: sei­nen Tes­la Roads­ter, Bau­jahr 2008, Ge­wicht 1250 Ki­lo­gramm, Far­be Rot. Nach dem Aus­klin­ken im Welt­raum soll das Auto al­len Erns­tes „Space Od­di­ty“ von Da­vid Bo­wie ab­du­deln und Kurs neh­men auf den Mars.

„Fal­con Hea­vy“ soll dem Pio­nier-Tes­la schon bald da­hin fol­gen, näm­lich 2022. Die Ra­ke­te ist stark ge­nug, fast 17 Ton­nen Fracht zum ro­ten Pla­ne­ten zu trans­por­tie­ren. Und 2024 will Musk Men­schen dort­hin schi­cken – mit ei­ner noch zu bau­en­den, noch grö­ße­ren Su­perra­ke­te, die im Au­gen­blick nur „Big Fucking Ro­cket“ heißt.

Im Lau­fe der nächs­ten Mo­na­te soll „Fal­con Hea­vy“ erst ein­mal Rou­ti­ne­ar­beit ver­rich­ten, also kom­mer­zi­el­le Sa­tel­li­ten und sol­che des US-Mi­li­tärs aus­set­zen. Für Ende kom­men­den Jah­res ist al­ler­dings die nächs­te bi­zar­re Rei­se ge­plant: Ge­nau ein hal­bes Jahr­hun­dert nach­dem Nasa-As­tro­nau­ten erst­mals den Mond um­run­de­ten, wol­len zwei na­ment­lich nicht be­kann­te Mul­ti­mil­lio­nä­re die­se Mis­si­on nach­spie­len. Musk hat die Bu­chung an­ge­nom­men, doch ob das Welt­rau­ma­ben­teu­er halb­wegs pünkt­lich be­gin­nen kann, steht in den Ster­nen.

Denn zu­nächst muss SpaceX be­le­gen, dass die Fir­ma über­haupt Pas­sa­gie­re heil ins All und zu­rück be­för­dern kann. Ihr „Dra­gon“-Raum­schiff ist auf „Fal­con 9“ seit 2012 zwar schon zwölf­mal mit Nach­schub zur ISS auf­ge­stie­gen, aber eben noch nie mit Men­schen an Bord. Das soll sich nun än­dern: Der be­mann­te Erst­flug von „Crew Dra­gon“ zur ISS ist für Au­gust 2018 an­ge­setzt. Bis zu sie­ben As­tro­nau­ten pas­sen in die Kap­sel, die eben­falls größ­ten­teils wie­der­ver­wend­bar sein wird.

Ende 2018 will auch der Flug­zeug­her­stel­ler Boe­ing mit sei­nem ziem­lich ähn­li­chen Raum­schiff na­mens „CST-100 Star­li­ner“ erst­mals ins All rau­schen. Eine be­mann­te Mis­si­on zur ISS soll nur we­nig spä­ter fol­gen. Bei­de, SpaceX und Boe­ing, wur­den von der Nasa mit Mil­li­ar­den­bud­gets aus­ge­stat­tet, da­mit sie mit pri­vat­wirt­schaft­li­cher Rä­son Er­satz schaf­fen für das viel zu teu­re und ge­fähr­li­che Space-Shut­tle-Pro­gramm.

2018
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DER SPIEGEL

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